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Rückführung-Dresden.de > Zum Weiterlesen > Auszüge aus Veröffentlichungen von Jan Erik Sigdell



Auszüge aus Veröffentlichungen des Autors Jan Erik Sigdell:


GIBT ES DIE REINKARNATION?


Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung glaubt an die Reinkarnation. Sie ist dem Buddhist, dem Hindu oder einem ihnen verwandten Glaubensanhänger seit uralten Zeiten selbstverständlich. Dort zweifelt keiner daran. In der christlichen Welt glaubt heute mindestens ein Viertel der Bevölkerung an die Wiederverkörperung [1]. Im Islam glauben die Drusen daran und die Vesiden [2,3], wahrscheinlich heute noch ein Teil der Kurden [3] und sicher auch viele Sufis. Die Reinkarnation ist Bestandteil vieler sog. «Geheimlehren» sowie geisteswissenschaftlicher oder metaphysischer Lehrsysteme. Das Wort «Esoterik» hat heute durch die öffentlichen Medien einen negativen Beigeschmack bekommen, bezeichnet aber ursprünglich «Wissen im Inneren Kreis», als Gegensatz zum öffentlichen profanen «Wissen»: Die Exoterik. Zur echten und seriösen Esoterik gehört meistens auch eine Form von Reinkarnationslehre - es gibt derer verschiedene.



Ist es gefährlich Rückführungen durchzuführen?


Ist es nicht gefährlich, dies als noch Ungeübter überhaupt zu versuchen? Eine sehr umfassende 35-jährige Erfahrung mit dieser Methode (die in ihrem Ursprung von Bryan Jameison stammt) zeigt, dass man keinen Schaden verursachen kann. Das Schlimmste, was geschehen kann, ist, dass der erhoffte Heilerfolg nicht eintritt und in solchen Fällen selten einmal, dass die Problematik vorübergehend stärker in den Vordergrund rückt (nach einer Wo­che ist dann wieder alles beim alten). Die Ursache hierfür ist im Buch "Rückführung in frühere Leben" von Jan Erik Sigdell angegeben. Man erzeugt durch die Rückführung nichts, was nicht schon vorher da war. Man macht die Person nur auf etwas aufmerksam, was in ihr bisher im Verborgenen schlummerte. Sie beginnt etwas zu erkennen, das sie vorher nicht hatte sehen wollen oder sehen können, etwas, was mit dem wahren Grund der eigenen Problematik zu tun hat.


 

Die Liebe

 

Die Seele lernt, entwickelt sich und wächst durch die Erfahrungen, die sie in aufeinander folgenden Leben macht. Eine Hauptlektion steht in dieser "Reinkarnationsschule" vor allen anderen hervor: die Liebe. Die undiskriminierende und bedingungslose Liebe zum Mitmenschen.

Wir sind alle Mitmenschen. Alle sind unsere Mitmenschen. Wir sind alle Geschwister aus demselben göttlichen Licht. Es gibt keinen Mensch auf dieser Erde, der nicht mein Geschwister ist. Wenn wir das auf der Seelenebene endlich begreifen und es auch leben, ist eine der Bedingungen dafür erreicht, dass wir nicht mehr inkarnieren müssen. Ohne Liebe geht es nicht. Keine Seele kommt daran vorbei.

Was ist die Liebe? Die Menschen scheinen sich die unterschiedlichsten Vorstellungen davon zu machen. Wenn man mir gibt, was ich will, mich auf Händen trägt und auf Rosen bettet, mir meine Wünsche von den Augen abliest, sei es Liebe. Wenn man das glaubt, sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Das ist keine Liebe, sondern Egoismus - höchstens Scheinliebe oder besitzergreifende Liebe, aber keine echte.

Liebe ist das Erkennen vom Geschwister im anderen, und das nicht nur in der schönen Frau, der man begegnet, oder im beeindruckenden Mann, sondern auch im Leidenden, im Unglücklichen, im Penner, im Süchtigen, in der "gefallenen Frau", usw., usf. - sogar in den Menschen, die sich für unsere Feinde halten. Sie sind nicht weniger unsere Geschwister als die anderen! Sie sind nicht weniger Wert, stehen aber auf anderen Stufen ihrer Entwicklung. Die wahre Liebe ist unbequem! Wenn man sich von dem unangenehm erscheinenden Menschen, vom ekelerregenden Kranken, vom üblen Asozialen, abwendet, der unsere Hilfe und Liebe gebraucht hätte (auch wenn er es selbst nicht versteht), haben wir in der Liebe versagt.

Das ist schwer! Die Liebe ist ein schwieriger Prüfstein für die Seele! Aber ein unumgänglicher ...

Verurteilen, verabscheuen, verweisen ist so einfach ... Und wer will schon von den neuen karmischen Lektionen wissen, die er oder sie sich in dieser Weise zum zukünftigen Pensum dieser Seelenschule hinzufügt?

 

Die Liebe zum Kind

Ich muss in der Regressionstherapie immer wieder feststellen, wie wenige die Menschen sind, die eine wirklich liebevolle Kindheit hatten. Eltern wissen oft nicht, wie man Liebe zeigt, so dass sie auch ankommt. Man gibt Spielsachen, Kleider, Essen, Luxusartikel und Ausbildung und meint, dass es damit getan sei. Das ist aber nur die eine Hälfte vom Elternsein, die materielle Hälfte. Das ist nur für den Körper (und für das Gehirn-Ich). Sehr viele Eltern versagen aber, wenn es darum geht, die Liebe so zu geben, wie es das Kind wirklich braucht: Durch Körperkontakt, Zärtlichkeit, auf den Schoss nehmen, umarmen, Streicheln, zu sagen, dass man froh ist, das Kind zu haben, zu loben, wenn es etwas gut getan hat, zu trösten, wenn es traurig ist. Das ist alles so viel Nahrung für die Seele des Kindes wie das Essen für den Körper. Sehr viele Menschen wurden in der Kindheit gut körperlich ernährt, aber hungerten seelisch. ...

Weshalb ist es so? Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht lieben. Sie wollten es nicht haben und lassen es dies spüren. Damit werden sie wohl vorprogrammieren, in einer späteren Inkarnation als Kind das gleiche an sich selbst erleben zu müssen, bis sie es endlich begreifen ... Sie wollen dem Kind die Schuld dafür geben, dass es da ist, unbewusst: "Irgendjemandem muss ich doch die Schuld geben" - und sie geben sie demjenigen, der von allen wirklich der Unschuldigste ist ... Wenn die Eltern so dumm waren, sich auf ungeschützten Sex einzulassen, dann können ja nur sie selbst schuld sein! Unter keinen Umständen aber das Kind!

Man darf wohl aber annehmen, dass die meisten Menschen ihre Kinder lieben, aber allzu wenige wissen, wie man es zeigt. Sie können nicht die Liebe so zeigen, dass sie auch ankommt. Oft hatten sie als Kind selbst keine Liebe. Es wurde ihnen da nicht vorgemacht, wie sie es als Erwachsenen mit den eigenen Kindern umgehen sollten. Viele Eltern verhalten sich unbewusst etwa so: "Ich hatte keine Liebe, warum sollst dann du Liebe haben?" - und sie wiederholen die Fehler ihrer Eltern. Allzu wenige haben die Lektion der eigenen Kindheit besser gelernt und verhalten sich wie folgt: "Ich weiß, wie es ist, wenn man als Kind nicht geliebt wird. Da sollst du es besser haben!" Die Letzteren habe es geschafft aus einem sich von Generation zu Generation drehenden Teufelskreis auszubrechen und einen großen Schritt zur seelischen Reife geleistet!

Viele reden sich damit aus, dass sie so viel arbeiten müssen. Sie scheinen in Arbeit zu flüchten, um sich nicht mit der Liebe auseinandersetzen zu müssen, die man ja selbst nicht hatte. Es gibt aber keine Mutter, die derart ausgelastet ist, dass sie sich nicht ab und zu ein Minütchen für das Kind nehmen kann! Alles andere ist nur Ausrede. Und kommt sie müde von der Arbeit nach Hause und will nur ihre Ruhe, begreift sie nicht (oder sie will nicht begreifen), wie erholsam und erfrischend es für sie gewesen wäre, sich nun endlich dem Liebesaustausch mit dem Kind zu widmen.

Die materielle Zuwendung als Ersatz für die seelische führt leider allzu leicht dazu, dass das Kind verwöhnt und eher egoistisch wird, denn es lernt dann selbst nicht, was die richtige Liebe ist. Es wird leider allzu leicht zu einer verwöhnten Göre bzw. zu einem Machobengel und erwartet, so ziemlich alles auf einem silbernen Tablett serviert zu bekommen.

 

Eigentlich müsste es - natürlich übertrieben formuliert - eine Elternprüfung geben, bevor man ein Kind in die Welt setzen darf, wozu die Prüfung in Liebe und im Umgang mit Gefühlen zum Wichtigsten gehören müsste. Nur wer die Prüfung bestanden hat und einen "Elternschein" bekommt, sollte ein Kind in die Welt setzen dürfen. Diese zugegebenerweise utopische Idee würde mit Sicherheit zu einer besseren Welt führen ... Harmonischere Menschen, glücklichere Beziehungen und weniger Gewalt und Kriminalität ... Im Grunde gibt es allerdings schon eine solche, aber sehr langsam wirkende, "Elternprüfung" durch das Karma. Wer als Elternteil diese wesentlichen Dinge nicht begreift oder begreifen will, wird es wohl aus eigener Erfahrung als Kind unter ebensolchen Umständen in einem späteren Leben lernen müssen ...

 

 

Lieblose Mütter

Ich muss immer wieder mit Klient/innen erleben, wie sie eine lieblose Kindheit hatten, die sie für das Leben zeichnete. Am schrecklichsten sind die Mütter, die ihre Kinder nicht lieben! Und das kommt so oft vor! Natürlich haben wir hier nicht mit einer unabhängigen "Statistik" zu tun, sondern mit einer Auswahl. Die Personen, die zu mir kommen, haben Probleme - und deshalb kommen sie ja. Immer wieder erleben wir, wie zumindest ein Teil der Problematik mit einer liebesunfähigen und unreifen Mutter zu tun hat. Die Mutter wollte das Kind nicht und lehnte es bereits im Mutterleib ab. Wenn das Kind geboren ist, nimmt es in solchen Fällen die Mutter gefühlskalt in die Arme und macht sich Sorgen um sich selbst, wie sie nun mit dem zurechtkommen sollen, statt ums Kind.

Es ist unfassbar, dass so viele Mütter dem Kind die Schuld dafür geben wollen, dass es da ist. Aufgeklärte und gebildete Menschen sollten doch begreifen, dass nicht das Kind die Mutter geschwängert hat! Es ist nicht etwa vorsätzlich in den Mutterleib gekrochen! Lässt sich die Mutter schwängern, zieht sie eine Seele an, und wäre es nicht jene, wäre es eine andere. Die Seele har sich ja gar nicht etwa aufgedrängt! Sie wurde angezogen! Wie wenn die Mutter meinen würde, die Seele des Kindes und nicht der Mann hätte mit ihr Sex gehabt.

Die Mutter hatte in solchen Fällen ungeschützten Sex und es war deshalb hochprozentig mit einer Schwangerschaft zu rechnen, aber für diesen Leichtsinn wird dann das Kind bestraft! Diejenige Person, die am allerwenigsten etwas dafür konnte, denn es konnte doch gar nichts dafür! Wenn wir in der Rückführung ein Seelengespräch mit der Mutter haben, redet sie sich oft erst aus: "Ich musste ja jemand dafür Strafen und mit dem Kind ging es am leichtesten." Ihre eigene Schuld des Leichtsinns will sie nicht wahr haben, höchstens dann den des Vaters. Aber wenn sie zum ungeschützten Sex einwilligte, ist die größere Schuld meistens die Ihrige, sofern sie nicht dazu gezwungen wurde.

Es ist auch unglaublich, dass so viele Menschen derart dumm sind (zutreffender kann man es wohl hier nicht gut formulieren), dass sie einfach "auf gut Glück" Sex haben! Und dann fehlt ihnen ganz die menschliche Reife, um dafür die Verantwortung zu nehmen, wenn daraus ein Kind entsteht. Die Mutter lässt dann oft das Kind dafür leiden und rächt sich an die ganz falsche Person. Wenn sie dann alt ist, erwartet sie vom Kind Unterstützung und dass es für sie da ist. "Warum?", fragen wir dann im Seelengespräch. "Ich habe ja alles für dich getan!" Materiell vielleicht schon, aber oft mit Schimpfen, Strafe, Strenge und Dominanz, wodurch die Seele des Kindes verletzt wurde - und v.a. mit Liebesentzug! In der allerwichtigsten mütterlichen Pflicht hat sie versagt: Dem Kind Liebe zu geben, und zwar in der Sprache, in der es sie versteht (s.o.). Dadurch hat sie alle Ansprüche verwirkt und hat kein Recht, vom Kind etwas zu verlangen! Das heißt natürlich nicht, dass ihr Kind sie vernachlässigen und sich nicht um sie kümmern würde, sondern es heißt nur, das die Mutter kein Recht hat, dies zu verlangen - erst recht nicht so, dass das Kind kein Eigenleben mehr hätte und die eigene Familie vernachlässigen müsste! Sie muss einfach mit dem zufrieden sein, was sie bekommt.

Hätte sie aber dem Kind Liebe gegeben, hätte sie nicht einmal etwas verlangen müssen - was eine echt liebevolle Mutter ohnehin nicht tut - sondern das Kind hätte sie aus sich heraus dankbar geliebt und wäre schon deshalb gerne für sie da.

 

Es gibt Mütter, die auf das Kind eifersüchtig sind, weil sie meinen, der Mann würde das Kind mehr lieben als sie. Wenn sie nur verstehen würden, dass er seine Frau nur noch mehr lieben würde, wenn sie mit ihm die Liebe für das Kind geteilt hätte! Und natürlich auch, dass sie vom Mann nicht mehr Liebe erwarten kann, als sie ihm zeigt (s.u.).

 

Es gibt auch Eltern (s.o.), die sich unbewusst an dem Kinde für die eigene lieblose Kindheit rächen: "Warum soll mein Kind haben, was ich nicht hatte?" Ein Kommentar zu solcher Unreife ist überflüssig ...

 

Lieblose Väter

gibt es natürlich ebenfalls. Es wird dann vom Kind ähnlich erlebt. Am dümmsten ist es, wenn der Vater noch an dem wirklich idiotischen (auch hier gibt es wohl keinen mehr zutreffenden Ausdruck) mittelalterlichen Vorurteil hängt, das Kind solle ein Sohn sein. Aber es kam ein Mädchen, das dafür leiden musste, dass der Vater die falsche Samenzelle an das Ei ließ ... Es gibt unglaublicherweise Männer, die so wenig über das Affenstadium hinaus sind, dass sie meinen, Empfängnisverhütung sei eine Sache der Frau, und wird sie schwanger, sei es ganz ihre Schuld.

Ich weiß von einem Fall, wo der Mann nach zwei Töchtern sich scheiden ließ, mit dem Vorwurf: "Du kannst mir keinen Sohn geben!" Dümmer geht es wohl nicht mehr ...

 

Manche unreife Väter halten es für Schwäche, sanfte Gefühle zu zeigen (s.u.) und lassen auch das Kind darunter leiden, und sie begreifen nicht, warum sie nicht geliebt sind.

 

Andererseits habe ich wiederholt miterlebt, dass zwar die Mutter zur Liebe unfähig war, aber dafür der Vater das Kind liebte und reif genug war, um seine Liebe zu zeigen (vgl. letzter Absatz unter "Lieblose Mütter").

 

Es sind natürlich nicht alle so!

Selbstverständlich gibt es liebevolle Mütter und Väter, die wissen, die Liebe auch so geben, dass das Kind sie versteht (s.o.). Nur haben Kinder solcher Eltern nicht entsprechende Probleme, womit sie dann zu mir kommen. Sie haben dafür oft andere Probleme. Hier möchte ich eine wunderschöne Geschichte erzählen, von der die meisten Väter viel lernen können!

 

Ein Mann in Deutschland wusste schon immer, dass sein Vater nicht der wirkliche Vater ist, sagte aber, er sei immer ein Supervater für ihn gewesen. Nun erlebte er in der Rückführung, wie seine Mutter und ein paar ältere Geschwister vor dem Haus ängstlich darauf warteten, dass der Vater nach vielen Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkommen würde. Inzwischen war die Mutter von einem anderen Mann schwanger geworden, und der Klient war jenes Kind. Daher die Angst in der Luft. Der Vater kam, schaute das Kind an und verstand natürlich sofort, dass es nicht von ihm sein könnte, nahm es aber auf den Arm und sagte: "Du gehörst auch zu uns!" Ein unglaubliches Glücksgefühl! Nur ganz wenige Väter haben eine solche Reife! Da könnten sich die meisten an ihm ein Bespiel nehmen!

 

Liebe in der Partnerschaft

In der partnerschaftlichen Liebe wirkt die Prägung aus der Kindheit nach, von welcher die oben verschiedenen Aspekte erwähnt wurden. Wer als Kind nicht aus eigener Erfahrung die Liebe gelernt hat, ist deshalb oft wenig beziehungsfähig. Eine erfolgreiche partnerschaftliche Beziehung verlangt nämlich das, was vielen von uns in der Kindheit gefehlt hat. Wie soll die Liebe in der Partnerschaft dann funktionieren können?

Auch in der Partnerschaft ist es wichtig, dass die Liebe so gezeigt wird, dass sie auch ankommt. Hier haben öfter Männer als Frauen Probleme. Sie sind oft so erzogen, dass man Gefühle nicht zeigen solle, denn ein Mann muss stark sein und sich durchsetzen. Raue Gefühle darf man zeigen, feine und zärtliche nicht, sonst wäre man kein Mann. Das sei doch Schwäche und Gefühlsduselei. Wer so denkt, erkennt nicht, dass die wahre Schwäche ist, solche Gefühle nicht zeigen zu wagen, sondern sich hinter einer Maske von vermeintlichem Mannsein zu verbergen. Der wahrhaftig starke Mann wagt, seine feinen Gefühle zu zeigen, und steht dazu. Das ist die wahre Stärke. Der Macho ist ein Gefühlskrüppel, der das Mannsein vorgaukelt.

Viele Männer verhalten sich deshalb so: "Du weißt doch, dass ich dich liebe, dann muss ich es nicht auch noch zeigen". Diese verheimlichte Liebe kommt nicht an. Sie ist so gut wie keine Liebe, denn die Partnerin hat ja gar nichts davon. Auch wenn es weniger oft vorkommt, gibt es auch Frauen, die sich analog verhalten.

 

Eine andere Nachwirkung von Kindheitsprägungen ist, sich mehr der Arbeit als der Familie zu widmen. Vielen wurden als Kind das Gefühl beigebracht, dass man erst etwas leisten müsse, um geliebt zu werden. Man wurde zu Leistungen angespornt und erst dann, aber doch nur knapp, mit Liebe belohnt - oder mit materiellem Ersatz für die Liebe (vgl. oben). Oder das Kind meinte unbewusst selbst: "Wenn ich nur brav genug bin, wird man mich lieben", und erkannte nicht, dass die wahre Liebe keine Leistung verlangt, sondern dass umgekehrt die wahre und bedingungslose Liebe die Leistung fördert, etwa: "Weil ich geliebt werde, werde ich auch brav sein". Das Erstere führt allzu leicht zu einem ähnlichen Verhalten in der Partnerschaft: "Ich muss erfolgreich sein, sonst verdiene ich die Liebe meiner Frau nicht". Ein folgenschwerer Irrtum, da man es dann verpasst, die Liebe in der Familie zu leben, was zum Auseinanderleben und gar zur Scheidung führen kann (um dann vielleicht das gleiche in einer neuen Partnerschaft zu wiederholen ...).

So verpasst man eine große Gelegenheit: In der eigenen Familie die Liebe zu haben und zu leben, die man als Kind nicht bekam.

 

Auch in der Partnerschaft ist der Körperkontakt von großer Bedeutung. Das Umarmen und die Zärtlichkeit nicht zu vergessen bringt auf die Dauer mehr, als Geschenke. Zur Zärtlichkeit gehört natürlich auch die Sexualität - die wahre, liebevolle und zärtliche Sexualität und nicht ein bloßes Abreagieren von körperlichen Bedürfnissen. Wenn diese ausgeklammert wird, ist es dann noch eine Partnerschaft, oder eher eine Wohngemeinschaft?

In der liebevollen sexuellen Vereinigung vereinigen sich nicht nur die Körper, sondern auch die Seelen. Es kommt auch zu einem seelischen Energieaustausch, der beide bereichert.

 

Die Liebe zum Mitmenschen

Abgesehen (meistens) von der Sexualität gilt das oben gesagte im Prinzip auch allgemein im Umgang mit den Mitmenschen. Auch bis zum Körperkontakt hin: Einen Freund bzw. eine Freundin zu umarmen oder in geeigneter Weise gelegentlich auch anzufassen (z.B. auf die Schulter zu klopfen, u.ä.).

Man kann beobachten, dass die Liebe zum Mitmenschen mit zunehmendem Abstand abgestuft wird. Je größer der Abstand ist - sozial, kulturell, religiös, manchmal sogar geografisch - umso geringer ist die Liebe zum Mitmenschen. Das gilt sogar in vielen christlichen Gemeinden. Wer nicht dazugehört, wird weitgehend von der Liebe ausgeklammert. Das steht ganz in Widerspruch zu Jesu Lehre, die niemand ausklammert! "Was du auch dem Geringsten meiner Geschwister tust, das tust du mir an!" - da macht es keinen Unterschied, ob der andere "zum Verein" gehört, oder nicht ... Er sagte ja sogar: "Liebet eure Feinde!" Es gibt keinen Mensch auf der Erde, der für den wahren Christ nicht sein Geschwister ist (auch wenn derjenige es selbst nicht so sehen mag).

 

Faustregeln für die Liebe

Aus meiner jahrzehntelangen therapeutischen Tätigkeit haben sich die folgenden Naturgesetze für die Liebe herausgestellt:

1. Die Liebe ist nur so viel wert, wie sie auch gezeigt wird (s.o.).

2. Die Liebe überlebt und gedeiht nur im Austausch von Geben und Empfangen.

Sie muss in beiden Richtungen fließen, und zwar durch Geben und Entgegennehmen. Eine einseitige Liebe verwelkt, wie eine Pflanze, die nicht gewässert wird. Das gilt besonders in der Partnerschaft, aber im Prinzip auch allgemein in mitmenschlichen Beziehungen.

Die besitzergreifende Liebe - die ja eigentlich keine ist - ist ein Beispiel für eine einseitige "Liebe". Warum verhält sich ein Mensch so? Er oder sie hat unbewusst Angst, den Partner oder die Partnerin zu verlieren, erreicht aber gerade dadurch, was man fürchtet. Die Liebe braucht auch Freiheit, um überleben zu können. Wer diese Freiheit einschränken will, verliert mit der Zeit die Liebe der anderen Person und am Ende oft die Person selbst.

3. Du bekommst auf die Dauer nicht mehr Liebe, als du auch gibst.

Wer wenig gibt, wird wenig bekommen. Wer keine gibt, geht am Ende leer aus. Wie kann ein vernünftiger Mensch erwarten, dass ihm oder ihr eine Liebe gegeben wird, die er oder sie selbst nicht gibt?

Es kommt höchstens nur vorübergehend vor, dass man mehr Liebe bekommt, als man gibt. Wenn man am Ende seines Lebens die Bilanz zieht, wird man aber sehen: "Ich habe insgesamt nur so viel bekommen, wie ich auch gab".

Es kommt leider eher vor, dass man weniger Liebe bekommt, als man gibt. Das soll kein Grund sein, um mit der Liebe zu geizen! Sonst gerät man in die soeben erwähnte Situation. Wird die Liebe nicht (genügend) erwidert, wird es meistens daran liegen, dass die andere Person dafür noch nicht reif ist. Die gegebene Liebe war dann doch nicht umsonst, weil die Person irgendwann begreifen wird, was ihr da entgangen ist, und daraus lernen.

 

In der partnerschaftlichen Sexualität (erfahrungsgemäß hängen Partnerschaftsprobleme oft mit sexuellen Problemen zusammen, auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist oder es nicht wahr haben will) gelten im Prinzip (im einen Fall mehr, im anderen weniger) die folgenden psychologischen v.a. unbewusst herrschenden Grundprinzipien:

Die Frau: "Wenn du mich nicht liebst, kann ich mit dir keinen Sex haben".

Der Mann: "Wenn du mit mir keinen Sex hast, kann ich dich nicht lieben".

Ist man da in einen Teufelskreis geraten: Wie kommt man wieder heraus? Man muss natürlich mit der "Begegnung auf dem halben Wege" anfangen.

Die Frau braucht im Prinzip allgemeine zärtliche Zuwendung, um für die Sexualität bereit zu sein. Der Mann fasst (wenn auch eher unbewusst) im Prinzip die sexuelle Zuwendung als den größten Liebebeweis auf.

 

Drei Ebenen der Liebe

Die alten Griechen sprachen von drei Ebenen der Liebe:

Eros - die partnerschaftliche Liebe, wozu auch, aber nicht nur, die Sexualität gehört (heute allzu oft aber irrtümlich auf nur die Sexualität bezogen).

Filía - die freundschaftliche Liebe zum Mitmenschen.

Agápe - die Liebe zu Gott und Gottes Liebe zu uns, Hingabe.

 

Einige zählen eine vierte Form dazu: storgé, die Liebe in der Familie, die ganz besonders die oben besprochene Liebe zu den Kindern beinhaltet.

 

Nun meinen manche Menschen, die einen spirituellen Weg gehen, dass die spirituelle Entwicklung von einer Ebene zu anderen geht: Im agápe bräuchte man die erste Ebene nicht und die zweite nur bedingt. Ist das nicht eine Weltflucht? Gehört nicht zum wahren spirituellen Weg, dass der Kreis sich erweitert, sodass er am Ende alle drei Ebenen umfasst?

 

Liebe und die göttliche Welt

Gott ist die vollkommene Liebe. Die göttliche Welt ist eine Welt, in der die vollkommene Liebe und Harmonie herrscht. Wie könnte dann jemand so vermessen sein, zu glauben, er sei für den Himmel qualifiziert, ohne diese Liebe uneingeschränkt und undiskriminierend zu leben? Wer hasst, wer sich rächen will, wer diskriminiert, wer intolerant ist, wer Menschen (die alle ohne Ausnahme seine Geschwister sind!) abwertet, nur weil sie anders denken und glauben oder anders leben wollen als er selbst (oder als er glaubt, sei richtig zu leben), disqualifiziert sich und wird mit Sicherheit noch einige Runden auf dieser Erde drehen müssen, um dazu zu lernen ...

 

Dieser Text stellt kurz gefasst die Geschichte der Rückführung dar und behandelt die Auseinandersetzungen verschiedener Meinungen darüber, inwiefern Rückführungen zu Erinnerungen an frühere Existenzen führen, oder nicht, auch mit Argumenten unter Hinweis auf die Bibel und das kirchliche Dogma.

 

Eine kurze Geschichte

Bei verschiedenen Experimenten mit der Hypnose beobachtete man bereits im 19. Jahrhundert, dass in gewissen Fällen die hypnotisierte Person sich verhielt, wie wenn sie eine andere Person als heute wäre, in einer anderen Zeit, in einem anderen Land und manchmal sogar vom anderen Geschlecht. Da unsere Schulwissenschaft die Existenz einer Seele ablehnt, die den Tod des Körpers überlebt, und noch mehr die Reinkarnation, fand sie keine andere Erklärung, als das Phänomen für hypnotische Halluzinationen zu halten. Einige wenige Personen nahmen jedoch das Phänomen ernster und untersuchten es näher.

Bereits Anfang der 1850-er Jahre führte ein Magnetiseur Du Potet durch eine frühe hypnotische Technik Trance herbei und einige der Versuchspersonen scheinen über frühere Leben berichtet zu haben.

Ein russischer Prinz Galizin (wahrscheinlich Nikolai Borisovich Galitzin oder Golytsin, 1794-1866, ein Cellist, der Beethoven zu seinen letzten Streichquartetten inspirierte und möglicherweise mit H.P. Blavatsky zu tun hatte), der eine Zeit in Hessen verbrachte, führte 1862 mit einer ungebildeten hessischen Frau aus Bad Homburg, die kein Wort Französisch konnte, ein hypnotisches Experiment durch. Zur Überraschung der Anwesenden begann sie fließend Französisch zu sprechen und erzählte, dass sie im 18. Jahrhundert schon einmal gelebt habe. Sie sei die Gräfin Y. in einem Schloss in Italien (aber scheinbar französischsprechend) gewesen und habe da ihren Mann unter Umständen umgebracht, die von der Umwelt für einen Unfall gehalten wurden, und sie habe deshalb als die hessische Frau ein schweres Leben. Der Prinz fuhr später zum Ort, wo sie sagte, gelebt zu haben, und konnte die Existenz jener Person bestätigen.

Diese sind Fälle von sozusagen "akzidentellen Rückführungen", da es nicht die Absicht des Hypnotiseurs war, nach Möglichkeit die Person zu einer früheren Existenz zurückzuführen, sondern das Phänomen trat spontan auf.

Der erste, der absichtliche Rückführungen durchführte, scheint der Spanier José María Fernández Colavida (1819-1888) gewesen zu sein, ein Mitglied der spiritistischen Gruppe "La Paz" in Madrid. Er berichtete darüber an einem spiritistischen Kongress in Barcelona in 1888. Ich habe vergeblich versucht nähere Einzelheiten darüber zu erfahren, u.a. von der Federación Espírita Española, aber es scheint, dass darüber keine Unterlagen mehr vorhanden sind. Später berichtete 1900 der Spanier Esteva Marata an einem spiritistischen Kongress in Paris darüber, wobei er erwähnte, auch selbst solche Versuche durchgeführt zu haben.

Ein anderer Pionier auf dem Gebiet war der französische Oberstleutnant und Spiritist Albert de Rochas d'Aiglun (1837-1914). Er führte eine Anzahl von  Rückführungen in frühere Leben durch und veröffentlichte das erste Buch zum Thema: Les vies successives ["Die aufeinanderfolgenden Leben"] (Bibliothèque Chacornac, Paris, 1911; 2. Aufl.: Leymarie, Paris, 1924; deutsche Übersetzungen: Die aufeinanderfolgenden Leben, Altmann, Leipzig, 1914 und Gibt es eine Wiedergeburt?, Baumgartner, Warpke-Billerbek, 195?).

Es ist höchst interessant, dass Sigmund Freud während einer Phase seines Lebens am Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls hypnotische Rückführungen durchführte - nicht in frühere Leben, aber zu einem traumatischen Erlebnis früher im aktuellen Leben des Patienten, das aus dem Gedächtnis verdrängt worden war. Er behandelte einige Fälle von größtenteils hysterischer Natur in dieser Weise, mit einem Vorgehen auf einer Grundlage, die sich nicht viel von der Grundlage heutiger Regressionstherapie unterscheidet. Später verließ er die Hypnose und entwickelte seine eigene Form von Psychoanalyse durch freie Assoziation - weitgehend immer noch basierend auf der Idee, dass ein vergessenes früheres traumatisches Erlebnis im heutigen Leben die Ursache von späteren Problemen sein könne, und dass es eine Heilwirkung habe, wenn sich der Patient wieder erinnere.

Der Psychologieprofessor Theodore Flournoy (ein Lehrer von Carl Gustav Jung) studierte einen merkwürdigen Fall einer Frau Hélène Smith (ein Pseudonym für Catherine-Elise Müller), die in Trance von früheren Leben sprach. Er erklärte das Phänomen als Kryptomnesie (siehe unten).

Ab etwa 1928 bis in die 1940er Jahre führte ein koptischer Lehrer Asa Roy Martin in Sharon PA, USA, Rückführungen durch. Er gab im Eigenverlag ein wenig bekanntes Buch über seine Arbeit heraus: Researches in Reincarnation and Beyond (1942).

Ein weiterer Pionier war der schwedische Psychiater und Forscher John Björkhem (1910-1963). Er war ein hervorragender Hypnotiseur und schrieb eine Habilitationsschrift mit dem Titel De hypnotiska hallucinationerna ["Die hypnotischen Halluzinationen"] (Gleerup, Lund, 1942), worin er über eine Reihe von Versuchen berichtete, um verschiedene Arten von "hypnotischen Halluzinationen" hervorzurufen, einige davon durch die Suggestion: "Gehe zurück zu einer Zeit vor deiner Geburt". Er vermied jedoch, eine Erklärung des Phänomens zu bringen und schrieb stattdessen, dass man dafür noch zu wenig Wissen darüber habe, bezeichnete aber die letztere Art von Erlebnissen als "Pseudo-Halluzinationen".

Es wird berichtet, dass Klein 1952 eine Anzahl Personen zurückgeführt hat (R.A. Baker: "The Effect of Suggestion on Past-Lives Regression", American Journal of Clinical Hypnosis, Jg. 25, Nr. 1, S. 71-76).

1956 wurde von Henry Blyth ein Buch veröffentlicht: The Three Lives of Naomi Henry (Fredrick Muller, London). Zwei der beschriebenen früheren Leben wurden nachgeprüft und bestätigt.

Arnall Bloxham in England führte in den 1950er Jahren eine Anzahl bemerkenswerter hypnotischer Rückführungen durch, worüber auch Bücher geschrieben wurden (A. Bloxham: Who was Ann Ockenden?, Spearman, London, 1958 und Jeffrey Iverson: Reincarnation. The staggering Evidence of the Bloxham Tapes, Pan, London, 3. druck 1982).

Der britische Psychiater Denys Kelsey beschrieb seine Experimente mit Reinkarnationstherapie in einem Buch, das zuerst in 1967 erschien, Joan Grant und Denys Kelsey: Many Lifetimes (Victor Gollancz, London, 1970). Es scheint, dass er solche Arbeit bereits in den 1950er Jahren durchgeführt hat.

Morey (Morris) Bernstein (USA, 1919-1999) erregte die halbe Welt mit seinem Buch The Search for Bridey Murphy (zuerst 1956 von Doubleday, New York, und später in mehreren neuen Ausgaben herausgegeben), worin er den Fall einer amerikanischen Frau Virginia Tighe (1923-1995, im Buch Ruth Simmons genannt) vorlegte. Sie ging in mehreren Hypnosesitzungen zurück zu einem Dasein als Bridey Murphy in Irland. Der Fall wurde von William Barker bei der Tageszeitung Post in Denver recherchiert, der nach Irland reiste und fast alles bestätigen konnte, was "Bridey Murphy" in den Sitzungen mit Virginia Tighe erzählt hatte. Jedoch konnte er ihren Name in keinem Dokument finden. Das Buch ist in jeder nur möglichen Weise kritisiert worden und Versuche wurden unternommen, um den Fall als eine Erfindung zu "entlarven", oder zumindest als einen Fall von Kryptomnesie. William Barker konnte zeigen, dass diese Bemühungen falsch und zum Teil sogar auf Lügen basiert waren, womit sie selbst Erfindungen waren (siehe seinen Beitrag "Bridey's Debunkers Debunked" ["Brideys Entlarver entlarvt"] und "The Case for Bridey in Ireland" ["Der Fall für Bridey in Irland"] in der Ausgabe 1989 bei Doubleday von The Search for Bridey Murphy). Die Gegner der Reinkarnationsidee halten heute noch ein Buch für das letzte Wort im Fall: A Scientific Report on "The Search for Bridey Murphy" (hg. von Milton Kline, Julian Press, New York, 1956). Das Buch erschien kurz nach der Herausgabe von Bernsteins Buch und ist in keiner Weise "wissenschaftlich". Es verfehlt das Ziel, Beweise gegen den Fall zu bringen, und enthält wenig mehr als eine Reihe von Behauptungen. Trotzdem verweigern sture Anhänger des letztgenannten Buches spätere Erkenntnisse im Fall anzuerkennen (wie die oben genannten Berichte von William Barker).

 

Das Buch von Bernstein wird viele Menschen in der westlichen Welt dazu inspiriert haben, selbst solche Experimente durchzuführen. Sie sind zu viele, um hier aufgezählt zu werden. Ab den 1960er Jahren wurden in wachsender Zahl hypnotischen Rückführungen in den USA, Europa und Australien durchgeführt und wahrscheinlich auch in anderen Teilen der Welt.

Mit der Zeit wurde entdeckt, dass eine Rückführung ohne Hypnose durchgeführt werden kann und nicht-hypnotische Techniken entstanden. Heute werden die meisten Rückführungen nicht-hypnotisch durchgeführt, wozu es mehrere Vorgehen gibt.

Man entdeckte auch, dass eine Rückführung eine therapeutische Wirkung haben kann, wodurch das entstand, was man meistens als "Reinkarnationstherapie" bezeichnet. Eine bessere Bezeichnung ist "Rückführungstherapie".

 

Meinungsverschiedenheiten

Man ist geteilter Meinung darüber gewesen, ob eine Rückführungstechnik hypnotisch oder nicht-hypnotisch ist. Viele Hypnotiseure wollen beanspruchen, dass was als eine nicht-hypnotische Technik bezeichnet wird in Wirklichkeit nur eine andere Form von Hypnose wäre. Ich bin nicht einverstanden. Zunächst bedeutet das griechische Wort hýpnos nun einmal "Schlaf". Wird der Klient nicht mehr oder weniger eingeschläfert, sondern sein Tagesbewusstsein nimmt am Erlebnis Teil, kann man rein definitionsmäßig deshalb nicht von Hypnose sprechen. Hans Ten Dam, der bekannteste Rückführungstherapeut in den Niederlanden, hat einen hilfreichen Begriff für das Verständnis des Unterschieds eingeführt. Er spricht von einem "elliptischen Bewusstsein". Eine Ellipse hat zwei Brennpunkte. In einer nicht-hypnotischen Rückführung teilt sich der Brennpunkt und gleitet auseinander. Ein Punkt bleibt im "hier und jetzt", der andere stellt sich auf "dort und damals" ein. Der Klient ist gleichzeitig an beiden Brennpunkten und vergisst nicht, wer er oder sie heute ist. Spricht man z.B. über ein Auto, versteht er die Frage aber bemerkt dazu: "Es gab damals keine". In einer tief-hypnotischen Rückführung ist der Brennpunkt nicht geteilt, sondern er verschiebt sich von "hier und jetzt" zu "dort und damals". Der Klient ist zu 100 % die frühere Person und weiß in der Rückführung gar nicht, wer er oder sie heute ist. Er versteht die Frage nicht, falls man über ein Auto fragen sollte, sondern wird verwirrt und sagt, er habe von so etwas nie gehört. Es gibt natürlich keine scharfe Trennung zwischen hypnotischen und nicht-hypnotischen Methoden. In einer "Grauzone" dazwischen fließen sie in einander. Was man höchstens tun kann, wäre die beiden Methoden unter einen Überbegriff "veränderter Bewusstseinszustand" zu bringen, aber gleichwohl blieben darunter die zwei alternativen Untergruppen von hypnotischen bzw. nicht-hypnotischen Techniken.

Ein anderer Unterschied ist, dass das Phänomen Xenoglossie, das Sprechen einer Sprache die der Klient heute nicht kennt, fast nur unter Hypnose auftritt. In einer nicht-hypnotischen Rückführung verwendet die Person durchgehend die Sprache am Brennpunkt in "hier und jetzt". Es kann aber ausnahmsweise geschehen, dass eine nicht-hypnotische Rückführung spontan pseudohypnotisch wird, und dann kann das Phänomen selten einmal auftreten.

Ein anderer Unterschied liegt im Zeitgefühl. Nach einer hypnotischen Rückführung hat man eher das Gefühl, "lange weg" gewesen zu sein, nach einer nicht-hypnotischen das Gefühl, das ganze habe viel weniger Zeit gedauert, als es tatsächlich der Fall war. Auch erinnert man sich nach der nicht-hypnotischen Rückführung gut an das Erlebte. Nach einer hypnotischen kommt nicht selten die sog. posthypnotische Amnesie vor, wenn sie nicht durch eine Suggestion vorgebeugt wird: "Du wirst dich nachher an alles erinnern".

 

Ein weiterer Punkt, wo sich die Meinungen teilen, ist, ob das Rückführungserlebnis wirklich mit einem früheren Leben zu tun hat, oder etwas anderes ist. Viele Gegner, welche den Reinkarnationsbegriff in ihr Weltbild nicht hineinpassen können, behaupten das letztere. Eine beliebte Vorstellung unter ihnen ist, dass es sich um Kryptomnesie handele (von Griechischen für "verborgene Erinnerung"). Das Erlebnis wäre demnach von Dingen zusammengesetzt, die der Klient früher im heutigen Leben gehört, gelesen oder gesehen habe, aber er hatte sie heute vergessen - wobei sie jedoch als Erinnerungen im unbewussten Ich blieben. Es gibt Fälle, die so erklärt werden könnten, aber nach meiner Meinung kann man die Mehrheit nicht ohne eine recht ordentlich Bemühung seiner Vorstellungskraft in jenes "Prokrustesbett" legen. Das Hauptargument ist die Wirksamkeit der Rückführungstherapie. Gegner beharren darin, ihre Wirksamkeit zu leugnen, oder sie wollen einfach davon nichts wissen, aber es ist eine Tatsache! Wird eine Person von, sagen wir, einer lebenslangen Höhenangst dadurch frei, dass sie wieder erlebt, wie sie in einem hypothetischen früheren Leben hinunterfällt und sich tot schlägt, wäre es wirklich sehr weit hergeholt, das durch Dinge erklären zu wollen, die der Klient früher einmal gelesen oder gehört oder in einem Film gesehen hat! Die bemerkenswerte und bleibende Befreiung von einer solchen Phobie kann einfach nicht durch die Behauptung von nur Fantasie oder Kryptomnesie erklärt werden.

 

Die hypothetische Erklärung "Fantasie" wird von einer großen Zahl von Fällen widersprochen, in welchen die Existenz der "früheren Person" bestätigt wurde. Die Hypothese von Kryptomnesie (siehe oben) führt auch zu Widersprüchen. Wenn es so wäre, würde die "frühere Person" nicht selten jemand sein, der oder die noch lebte, als der Klient ein Kind war (oder heute noch lebt), aber es handelt sich immer um eine vor der Geburt vom Klient gestorbene Person.

Eine weitere Hypothese ist, dass die "frühere Person" ein Vorfahr und dass die Information genetisch übertragen wäre. In dem Fall würde man oft die "frühere Person" als ein Vorfahr identifizieren können, weil das in den meisten Fällen nicht schwierig wäre. Das geschieht aber so selten, dass man in einem solchen Fall eher annehmen kann, dass es um eine Reinkarnation in der gleichen Familie geht. Außerdem könnte die "Vorfahrerinnerung" nur bis zu einem Punkt fortsetzen, an dem jener Vorfahr ein Kind zeugte, da ja in dem Moment der Stammbaum abzweigt. Aber die Erinnerung setzt immer bis zum Tod und zum Seelenzustand danach fort. Die Hypothese versagt natürlich, wenn jener Vorfahr nie ein Kind hatte und somit einen "Sackzweig" auf dem Stammbaum war. Man mag sich auch fragen, wozu die Natur auch noch völlig bedeutungslose Information an spätere Familienmitglieder übertragen würde, welche die kostbare aber begrenzte genetische Speicherkapazität unnötig besetzen. Noch ein Widerspruch ist, wenn jemand vor vielleicht nur 50 Jahren in einer völlig anderen Rasse auf einem anderen Kontinent gelebt hat. Da gibt es keine genetische Verbindung.

Eine Hypothese, die von religiösen Gegnern vorgelegt wurde, ist, dass der Klient von der Seele einer verstorbenen Person "besessen" sei. Das ist absurd, weil wir dann fast alle "besessen" wären. Die Rückführung gelingt nämlich in mindestens 90 % der Fälle.

Eine Strategie der Gegner, wenn ums um die Bestätigung der Existenz der "früheren Person" geht, ist die folgende. Werden keine Daten gefunden, welche die Existenz bestätigen, hat jene Person "offensichtlich" nicht existiert. Werden aber solche Daten gefunden, "kann es nur sein", dass die heutigen Person die Angaben aus solchen Quellen hat. Die andere Alternative wird in ihre Überlegung nicht zugelassen, nämlich dass die Daten die von ihnen nicht erwünschte Existenz tatsächlich belegen...

 

Wie bereits hervorgehoben wurde, versagen alle diese Hypothesen darin, die Wirksamkeit der Rückführungstherapie erklären zu können. Die Diskussion oben schließt nicht aus, dass eine der Hypothesen im einen oder anderen seltenen Fall zutreffen könnte, aber nicht allgemein.

 

Noch eine Hypothese ist, dass das Rückführungserlebnis nur symbolisch wäre. Das kommt tatsächlich in einer Minderheit der Rückführungen vor. Es gibt Methoden, um das unbewusste Ich vom Klient zu befragen ob das Erlebnis symbolisch war, oder nicht. Es kann natürlich nicht symbolisch sein, wenn die Existenz der "früheren Person" bestätigt wurde. Ein Symbolerlebnis könnte durch psychologische Mechanismen möglicherweise zu einem gewissen Teil die Wirkung der Rückführungstherapie erklären, aber eine solche Erklärung wäre ein gutes Stück weiter hergeholt, als die einfache Erklärung der Reinkarnation, nach welcher die Seele des Klienten jene Erfahrung in der Vergangenheit tatsächlich durchgemacht hat, die sich als "Urtrauma" der aktuellen Problematik herauszustellen scheint, welche den Klient heute belastet.

 

Es gibt eine andere Art von psychologischem Problem im Zusammenhang mit solchen Hypothesen: Der Widerstand dagegen, etwas anzuerkennen, das eine Änderung des eigenen vorgefassten Weltbildes verlangt - sei es aus religiösen Gründen oder aus wissenschaftlichem Vorurteil heraus.

Es ist schon verständlich, dass wenn jemand sein ganzes Leben und vielleicht sogar eine akademische Karriere auf einer besonderen religiösen Doktrin gebaut hat, wird er bis zum bitteren Ende gegen die Anerkennung von Fakten kämpfen, wenn diese den eigenen religiösen Begriffen zu widersprechen scheinen. Man befürchtet, dass der eigene "Elfenbeinturm" zerbröckeln könne. In der gleichen Weise befürchtet ein angesehener Wissenschaftler seinen Ruf zu verlieren, wenn er nicht nur die Reinkarnation leugnet, sondern auch die Existenz einer Seele, die den Körper überlebt. Die wissenschaftliche Usance  verlangt eine solche Haltung.

Diesen Eindruck erweckt nicht zuletzt die Schulpsychologie mit ihrer Einstellung zur Rückführungstherapie, jedenfalls, wenn sie zu hypothetischen früheren Leben führt. Rückführungen in die Kindheit werden schon mit Vorsicht und Misstrauen betrachtet, weil der nächste Schritt in die Vergangenheit so nahe liegt.

 

Literaturhinweise:

Charles Joseph Hefele und "Ein religiöser Benediktiener" (nicht namentlich genannt): Histoire des Conciles [Geschichte der Konzilien], Letouzey et Ané, Paris, Bd. 1, 1907.

Theologische Realenzyklopädie, hg. von Gerhard Müller, Bd. XIII, Walter de Gruyter, Berlin, 1984.

Origenes: Vier Bücher von den Prinzipien, übersetzt von Herwig Görgemanns und Heinrich Karpp, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2. Aufl. 1985.